reiner heidorn / botanic & expressionism

 

geleeartig  - amöboid - faserig


 Die Macht, die in einem jeden Grashalm steckt, ist es zu wachsen, sich in seine Umgebung einzubringen, sich zu verwurzeln und Netzwerke hochzuziehen.  Jeder Halm, der uns in der Stadt begegnet, ist eine Tür zu einer neuen Welt. Der Eintritt von Alice ins Wunderland:

„The rabbit-hole went straight on like a tunnel for some way, and then dipped suddenly down, so suddenly that Alice had not a moment to think about stopping herself before she found herself falling down what seemed to be a very deep well“/Alice in Wonderland

Innehalten, einlassen, verschwinden, und: wieder zu erscheinen, wie verwandelt zu sein. Die Macht der Natur aufnehmen, um sich selbst zu transformieren. Reiner Heidorn schafft mit seinen Bildern ein Bewusstsein für die Eigenart der Natur. Ihre Kräfte, die wir in uns selbst aufnehmen und der wir uns auch bewusst werden können.

metamorphisch


Es ist nicht nur der Klimawandel, der dazu aufruft, unser Verhältnis zur Natur zu überdenken und neu zu konstituieren.

Auch beim Städtebau wird Natur immer mehr zum Spielball von Interessen. Selbstwachsende, lebendige Natur wird vermehrt strukturiert und unlebendig als Teil einer städtebaulichen Entwicklung präsentiert. Und somit ihres wesentlichen Potentials beraubt. Zudem es auch um das Potential geht, das eine wilde Natur für uns als Erfahrung bereithält. Reiner Heidorn ist ein Künstler, der weiß, wovon er mit seinen Bildern erzählt. 1966 in Oberbayern geboren, ist er stets fest in Weilheim und dem Voralpenland verankert, während er gleichzeitig in Dubai, den USA, Brasilien und vielen Städten Deutschlands und Europas ausstellt und seinen ganz besonderen Blick auf das Verhältnis von Stadt und Natur in verschiedenen Kulturen richtet. 

Reiner Heidorns Werk bildet einen Ort, der die Naturerfahrung als unmittelbares und magisches Erleben aktiviert, bewahrt, archiviert und lebendig macht. Er leistet als Künstler einen Beitrag zur künstlerischen Diskussion um den Klimawandel.

 

Julian Bachmann                                                                  November 2019